Das Asperger-Syndrom (AS) ist eine milde Form von Autismus. Der Zustand wird nach dem österreichischen Kinderarzt Hans Asperger genannt, der zum ersten Mal in den 1940er Jahren Kinder beschrieb, die Merkmale von Unbeholfenheit im Gesellschaftsleben und atypische Formen der Kommunikation zeigten. Der Zustand blieb bis in die 1980er Jahre relativ unbekannt, bis die englische Psychiaterin Lorna Wing der Arbeit von Hans Asperger vermehrte Aufmerksamkeit schenkte und den Begriff " Asperger-Syndrom " einführte. 


Gemäss Angaben der National Autistic Society in Großbritannien  leiden etwas mehr als 1% der Bevölkerung an Autismus (1). Der Zustand kommt häufiger bei Männern als bei Frauen vor: Gewisse Studien zeigen, dass ca. vier von fünf Menschen mit Autismus männlich sind (2). Obwohl die Ursache von Autismus heute noch unklar ist, deutet die Forschung an, dass eine Kombination von Faktoren - genetisch und umweltbedingt - zu Änderungen in der Gehirnentwicklung beiträgt und so zu den Merkmalen von Autismus führt. Diese Merkmale zeigen sich je nach Person in unterschiedlicher Weise und in unterschiedlichen Graden. Deshalb wird der Zustand heutzutage als eine Spektrum-Störung angesehen. Menschen mit AS haben weniger ausgeprägte Schwierigkeiten als solche mit klassischem Autismus und ihre intellektuellen Fähigkeiten liegen im normalen bis überdurchschnittlichen Bereich.

In der Regel verarbeiten Menschen mit AS Informationen auf eine andere Art und Weise als andere Menschen. Eine Analogie für diese ziemlich einzigartige Denkweise kann in der Computerwelt gefunden werden und wurde von einem jungen Mann mit Asperger-Syndrom wie folgt beschrieben:

'Die meisten Menschen sind wie PCs. Menschen mit AS sind hingegen wie Macs mit einem sehr spezifischen und individuellen Betriebssystem. Obwohl beide ähnlich aussehen und ähnliche Aufgaben ausführen, führen die Maschinen mit einem anderen Betriebssystem die Aufgaben auf unterschiedliche Weise aus. Der PC kommt häufiger vor und bietet eine lange Reihe von Software an. Obwohl der Mac bestimmte PC-Software ausführen kann, neigt er dazu, eher langsam und weniger produktiv zu sein. Der Mac ist weniger verbreitet und verfügt über weniger Software-Programme. In bestimmten Bereichen übertrifft ein Mac jedoch die Leistungen eines PCs deutlich'.  (David Breslin, Schottland) (3)


Diese andere Art der Informationsverarbeitung hat unter anderem zur Folge, dass Menschen mit AS mit ihren Mitmenschen anders umgehen. Die Merkmale von Autismus können in drei Hauptkategorien unterteilt werden: Kommunikation, sozialer Umgang und Denkweise. Während die meisten Menschen den Kontakt zu anderen Menschen mehr genießen und ein breiteres Spektrum an Interessen haben, bevorzugen Menschen mit AS den Umgang mit Informationen und Fakten und haben sehr spezifische Interessen. Schwierigkeiten bestehen unter anderem bei der Interpretation nonverbaler Kommunikation, beim Äußern von Gedanken und Gefühlen, beim Kontakte knüpfen, beim um Hilfe bitten, beim Zeitmanagement und bei der Anpassung an neue Situationen. Zudem weisen manche Menschen mit AS sensorische Besonderheiten auf, reagieren also über- oder unterempfindlich auf Impulse gegenüber ihren Sinnesorganen. 


Andererseits können Menschen mit AS in ganz bestimmten Bereichen ausserordentliche Fähigkeiten und Eigenschaften besitzen, wie beispielsweise eine hohe Konzentrationsfähigkeit, umfassende Kenntnisse bzw. Spezialwissen auf einem bestimmten Interessensgebiet, Liebe zum Detail, Gewissenhaftigkeit, Loyalität und Ehrlichkeit. Eine ganze Reihe zum Teil äusserst erfolgreicher Persönlichkeiten waren bzw. sind ziemlich sicher vom AS betroffen, unter anderem die englische Schriftstellerin Jane Austen, der deutsche Physiker Albert Einstein, der englische Physiker und Mathematiker Sir Isaac Newton und der amerikanische Unternehmer und Philanthrop Bill Gates.

Viele Auswirkungen des AS lassen mit dem Heranwachsen nach, da die betroffene Person Bewältigungsstrategien entwickelt. Einige Merkmale sind für Dritte sogar kaum mehr wahrzunehmen. Dennoch sind in der heutigen Arbeitswelt die strikte Einhaltung von Fristen, schnell wechselnde Prioritäten und Arbeitsplatzunsicherheit zur Norm geworden. Manche Eigenheiten von Menschen mit AS, wie beispielsweise Probleme bei der Kommunikation, soziale Unbeholfenheit, starre Denkweisen oder sensorische Probleme,können bereits bestehende Gefühle von Stress verschlimmern und zu Angst führen. Wenn Angstzustände zu stark werden, kann die Person mit AS eine Art Meltdown erleiden - ein Gefühl von Kontrollverlust.  Dieses kann sich darin äussern, dass der Betroffene übermäßig kritisch, laut oder aggressiv wird.  

Wenn ein Unternehmen die speziellen Bedürfnisse eines Mitarbeitenden mit AS kennt und bereit ist, die richtige Art von Unterstützung  zu bieten, kann dies dem Betroffenen nicht nur helfen die Herausforderungen in einem professionellen Umfeld zu bewältigen, sondern mitunter auch äusserst erfolgreich zu sein. Dadurch kann ein Arbeitgeber in hohem Masse von den ungewöhnlichen Fähigkeiten und Eigenschaften profitieren, welche eine Person mit AS in sein Unternehmen einbringt.

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Da immer mehr über das AS der Bevölkerung bekannt wird, vor allem über die besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften, die Menschen mit AS besitzen können, beginnen Unternehmen langsam zu erkennen, wie wertvoll diese Personen für ihre Organisation sein können. So kündigte beispielsweise die Firma Microsoft vor kurzem ein Pilotprogramm an, wobei Menschen mit Autismus in ihrem Redmond Campus angestellt werden (4). Die Firma SAP hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 mindestens 1% der Arbeitsplätze mit Autisten zu besetzen (5). In diesem kurzen Video erfahren Sie, wieso SAP glaubt, dass es für das Geschäft gut ist, Menschen mit Autismus anzustellen.

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